Erfolgsfaktoren digitaler Geschäftsmodelle

Lucas Brunner hat im Rahmen seiner Masterarbeit an der Hochschule Landshut bei Prof. Dr. Hubertus Tuczek und seiner Tätigkeit bei der m.partners GmbH Erfolgsfaktoren digitaler Geschäftsmodelle untersucht und hierzu ein Bewertungstool entwickelt.

 

Das Tool basiert auf dem Landshuter Nutzenmodell sowie den Bausteinen des Business Model Canvas. Diese wurden durch Kriterien ergänzt, die eine Differenzierung der Geschäftsmodelle verstärken. Sowohl die Bausteine als auch die Kriterien wurden unterschiedlich gewichtet, um Schlüssel-Attributen eine höhere Relevanz zuzuordnen.

 

m.partners wird ab sofort das Tool dafür nutzen, Geschäftsmodelle miteinander zu vergleichen sowie um Stärken und Schwächen zu identifizieren. Dadurch kann eine Einschätzung über den aktuellen Entwicklungsgrad des Geschäftsmodells und dessen Erfolgsaussichten erfolgen. Damit bietet das Tool eine wichtige Entscheidungsunterstützung bei Investitionen von Maffei & Co. Zusätzlich erhält das Gründerteam Informationen darüber, in welchen Bereichen und Disziplinen Verbesserungspotenziale vorliegen und wie diese gehoben werden können.

In Anwendung des Tools auf digitale Geschäftsmodelle der Mobilitätsbranche der Zukunft hat Lucas Brunner folgende Erfolgsfaktoren identifiziert und herausgearbeitet:

Die Relevanz eines multifunktionalen Nutzens für unterschiedliche Empfängergruppen steigt kontinuierlich an. Somit ist der Fokus aus dem Spektrum eines einzelnen Anwenders zu erweitern. Insbesondere ist das Nutzenversprechen auf die Gesellschaft und Umwelt, aufgrund der aktuellen Trends, zu expandieren. Die Themen Nachhaltigkeit sowie der zusätzliche Mehrwert für die Gesellschaft rücken in den Vordergrund und sind zu priorisieren. Überdies ist neben dem Hauptnutzen der indirekte Nutzen von zunehmender Bedeutung. Der indirekte Nutzen adressiert Problemstellungen, die über die Ansprüche des Anwenders an die Produkte oder die Dienstleistungen hinausgehen. Darüber hinaus ist die flexible und kurzfristige Adaptionsfähigkeit eines Geschäftsmodells auf die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden zukünftig für dessen Erfolg ausschlaggebend.

Infolge der stetigen Verkürzung der Produktlebenszyklen ist es notwendig, die Nutzenarten effektiv und kurzfristig marktreif umsetzen zu können. Die Digitalisierung ermöglicht hochkomplexe Anwendungsmöglichkeiten mit entsprechend effektiven Auswirkungen auf die Nutzenempfänger. Diese Komplexität erfordert eine benutzerfreundliche Umsetzung der Anwendungen, die für Nutzer der Zielgruppe leicht zu erschließen sein müssen. Die effiziente Entwicklung technologisch anspruchsvoller Geschäftsmodelle erfordert eine umfassende Datenqualität. Die Gesamtheit dieser Daten ist über integrierte Transparenzschnittstellen konstant zu optimieren. Somit können sukzessiv Anpassungen bzgl. aktueller Trends in den Strukturen der Geschäftsmodelle vorgenommen werden.

Der Vertrieb bei digitalen Geschäftsmodellen bevorzugt den Absatz über Onlineplattformen. Die Möglichkeiten der Präsentation von Funktionsweisen sowie der Auswirkungseffekte sind wirkungsvoll darstellbar. In Kombination mit einer virtuellen Beratung mittels Chatbots oder anderen KI-Anwendungen werden diese Aspekte den Vertrieb der Zukunft bilden. In Bezug auf die B2C-Geschäftsbeziehung wird mit diesem Vertriebskanal eine enorme Reichweite und schnelle Verbreitung der Geschäftsmodelle über den viralen Effekt der sozialen Medien erzeugt. Jedoch werden meistens die digitalen Inhalte erst in Verbindung mit intelligenten Produkten und Anwendungen effektiv, die besonders im B2B-Kontext einen direkten Vertrieb weiterhin notwendig machen.

Die Effizienz der Zeit zwischen Angebot und Kauf sowie der Akquisitionskosten sind konkurrenzübergreifend wesentliche ökonomische Kennziffern, die über das Bestehen in den schnelllebigen digitalen Modellen entscheiden. Das Marketing fokussiert sich auf die Individualisierung der Werbebotschaften mittels Direkt- und Online-Marketing. So werden Marketingmaßnahmen in Echtzeit auf die spezifischen Probleme, Anforderungen und Anwendungsfälle der Kunden angepasst und emotionalisiert. Die Identifikation zwischen Kunden und dem Geschäftsmodell wird somit erheblich gesteigert.

Das umfassende Wissen über die subjektiven Bedürfnisse der Kunden sowie die Vollständigkeit der Kundenprofile in CRM-Systemen bilden die Basis für erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle. In diesem Kontext wird eine kontinuierliche und umfängliche Datenbeschaffung, -verarbeitung und -auswertung vorausgesetzt. Zudem bietet die vielschichtige Analyse mit intelligenten Technologien und künstlicher Intelligenz der Customer Journey die Möglichkeit die Kunden zu segmentieren, um sie zielgerechter adressieren zu können.

Infolge der Digitalisierung der Geschäftsmodelle ist eine Verschiebung der Haupteinnahmequellen zu verzeichnen. Der klassische Produktkauf wird nunmehr durch die Abrechnungsmodelle mittels Werbefinanzierung, Nutzungsgebühren und Abonnements ergänzt. Dementsprechend wird das Basisgeschäftsmodell durch zeitlich wiederkehrende Zahlungen beglichen und kann durch einmalige Zukäufe, bspw. von intelligenten Produkten und zusätzlichen Anwendungen optimiert werden.

Die Planung und Organisation von Schlüsselressourcen wird sich in Zukunft mit Nachhaltigkeitsthemen sowie gesellschaftspolitischen Anforderungen auseinandersetzen müssen. Demzufolge sind neben der durchgängigen Ressourcenverfügbarkeit Aspekte wie Erzeugung, Transport und Rechte zu beachten. Darüber hinaus ist die Einhaltung des Datenschutzes ein zentrales Thema und ein zunehmend entscheidender Wettbewerbsfaktor. Qualifiziertes sowie motiviertes Personal und die Auslastung von Prozessketten bilden elementare Kriterien für die effizienten Ressourcenstrukturen erfolgreicher Geschäftsmodelle. Die Selektion der Schlüsselpartner ist primär aufgrund der Beteiligung an der Erfüllung des Nutzenversprechens zu entscheiden. Besonders gilt die Kompatibilität und Synchronität von Wertesystemen sowie Visionen und Missionen als fundamental.

In Bezug auf die strategischen Partnerschaften ist die Minimierung des unternehmerischen Risikos im Fokus, sodass eine Reduktion von strukturellen und technologischen Schwächen mit der Kooperation einhergehen. Die Lieferanten müssen in dem Wachstumsprozess zu strategischen Partnern transformiert werden, die aktiv an Gestaltung und Optimierung des Geschäftsmodells teilnehmen. Die Investoren müssen in der Lage sein, durch ihre Expertise und Verbindungen die richtigen strategischen Impulse setzen zu können sowie durch Finanzierungszyklen grundlegend die Basis für eine wirksame Skalierung zu schaffen. Der Aufbau und das Mitwirken in einem effizient agierenden Eco-Systems werden zukünftig essenziell sein. Die Kostenoptimierung und der nachhaltige Einsatz von Finanzmitteln führen zu Unabhängigkeit und der Möglichkeit auf außerordentliche Ereignisse unmittelbar reagieren zu können.

Die Personalakquisitionen müssen adäquat gewählt werden, um das benötige Know-how und die Kompetenz rekrutieren zu können, dabei Kosten und Teamdynamik im Blick behaltend. In intakten und modernen Teams nimmt neben der grundsätzlichen Teamfähigkeit die Personal-Diversität eine entscheidende Rolle ein. Die Heterogenität reduziert das Potenzial für Konfrontationen und unproduktives Arbeiten und erweitert die Bandbreite des Talentpools. Darüber hinaus generiert die Internationalisierung und Einführung von virtuellen Teams, die Chance aus einem globalen Expertenpool Arbeitsgruppen temporär und kostengünstig zusammenzustellen.

Der Gründer oder das Gründerteam müssen die entsprechende Mentalität in Bezug auf die Lösung globaler Probleme innehaben und leben. Dazu gehört neben der Leidenschaft zu Innovation und Strategie auch die Bereitschaft und der Einsatz für eine erfolgreiche Umsetzung des Zielvorhabens zu arbeiten. Darüber hinaus muss die Akzeptanz und Einsicht in den Gründerstrukturen gegeben sein, das Geschäftsmodell flexibel zu einem Pivot zu transformieren, wenn dieses nicht schnell genug eine Eigendynamik entwickelt. Die Unternehmenswerte sind zukunftsweisend sowie nachhaltig zu formulieren, zu kommunizieren und zu leben. Eine transparente und authentische Interaktion führt zu einer hohen Reputation und Akzeptanz in der Gesellschaft und bei den Mitarbeitern. Die Integration technologischer Neuerungen in die Geschäftsmodellstrukturen ermöglichen ein optimiertes Wachstum. Insbesondere die Digitalisierung der Geschäftsprozesse und die datenbasierte Organisationsentwicklung sowie der Einsatz von künstlicher Intelligenz besitzen gegenwärtig ein beachtliches Potenzial zur Entwicklung erfolgreicher Geschäftsmodelle. Die Einbindung der technologischen Modifikationen reduzieren die Time-to-Market Zeitdauer, die für den Erfolg digitaler Geschäftsmodelle von oberster Priorität ist.‘

 

m.partners GmbH, 29.05.2020

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