Impact Innovation

Vorliegender Artikel ist ein Auszug aus dem neuen Buch INNOVATIONEN IN EINER VERNETZTEN WELT, das von dem m.partners-Senior Advisor Prof. Dr. Hubertus Tuczek (Landshut Leadership Forum) im Sept. 2021 herausgegeben wurde. Hier können Sie das Buch beim Verlag bestellen.
 
Die digitale Transformation bringt prägende Innovationen in Technik, Arbeitswelt und Nachhaltigkeit mit sich, hin zu einer
vernetzten Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Band schafft mit vielen Anwendungsbeispielen und Szenarien ein breites Verständnis für die neuen Möglichkeiten und auch Anforderungen, die durch die digitale Transformation entstehen. Diese bilden die Grundlage für innovative Unternehmensstrategien und die Geschäftsmodelle der Zukunft.

Grüne Balkone

Nicht erst seit dem ‚Green Deal‘ der EU spannt sich von Grundlagenforschung über Anwendungsentwicklung, innovative Geschäftsmodelle bis hin zur Finanzierung und Implementierung ein rasant wachsendes Ökosystem um Impact Innovation herum auf. Hier entsteht ein neuer Standard, an dem sich künftige Geschäftsmodelle messen lassen müssen. Zentrale Fragen hierbei sind: Welche Werte neben der Gewinnmaximierung erfüllt der Geschäftszweck? Wie skalierbar ist das Geschäftsmodell, um einen gesellschaftlich und ökologisch positiven Einfluss für die Zukunft zu generieren? Die Digitalisierung ist das dominante Instrument, dass die nächste Dekade gestaltet.

 

Damit eine Erfindung zur Innovation im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung wird, muss sie kommerziell erfolgreich sein und kann erst dadurch einen Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen leisten. Genau diese werden aktuell verstärkt benötigt, um die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zu verbessern bzw. zu erhalten. Obwohl Wissenschaftler seit Jahrzehnten einen Wandel menschlichen Umgangs untereinander sowie mit der Umwelt anmahnen, wurde bisher eher nur notdürftig reagiert als aktiv gestalterisch agiert.

Doch die Menschheit hat schon früher bewiesen, dass sie fähig ist, große Herausforderungen mittels sogenannter ‚Moonshots‘ zu bewältigen. Der Begriff ‚Moonshot‘ stammt aus den 60‘er Jahren: Angetrieben durch den Wettlauf mit Russland im kalten Krieg, verkündete 1962 der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy, noch bis Ende des Jahrzehnts würde ein Amerikaner als erster Mensch auf dem Mond sein. Was zu Beginn noch unvorstellbar schien, wurde durch immense Bemühungen tatsächlich im Juli 1969 zur Wirklichkeit.

“We choose to go to the moon in this decade and do the other things,
not because they are easy, but because they are hard.“

John F. Kennedy

Als Grundlage zukünftiger Moonshots zur Bewältigung der Herausforderungen unseres aktuellen Jahrzehnts erweist sich zunehmend die Digitalisierung und die damit verbundene globale Vernetzung. Gewiss hat die Digitalisierung auch ihre Schattenseiten. Doch trotz möglichen Missbrauchs, gesellschaftlicher Verwerfungen und des steigenden Energieverbrauchs sowie der damit verbundenen Umweltbelastungen, erleichtern uns digitale Innovationen unser heutiges Leben enorm und schaffen immer neue Möglichkeiten für eine nachhaltigere Entwicklung.

 

Der Begriff der Nachhaltigkeit wird seit Jahrhunderten in der Forstwirtschaft mit einem auf viele Generationen ausgelegten Waldbetrieb in Verbindung gebracht, so dass Aufforstung, Wildhege und Abholzung eine langfristige Balance zur Versorgung der Eigentümer- und Försterfamilien darstellen. Dies wird heute auf alle Lebensbereiche erweitert und verstärkt als Antwort auf die globalen Herausforderungen des Klimawandels, der Ressourcenverknappung sowie des wirtschaftlichen Ungleichgewichts gefordert.

„Nachhaltigkeit ist genug für alle für immer“
unbekannter afrikanischer Stammesfürst

Der Begriff des Impact Investing beschreibt Investitionen, die eine positive Rendite erwirtschaften sollen, aber dabei klar das Ziel verfolgen, einen positiven Einfluss auf Gesellschaft oder Umwelt zu bewirken. Die Bertelsmann Stiftung kam in einer Studie zu dem Schluss, dass es sich dabei um „ein[en] ausdifferenzierte[n] Milliardenmarkt mit großem Wachstumspotenzial und hoher Dynamik“ handelt. In Deutschland wird Impact Investing zumeist unterschieden in „Impact First“ und „Finance First“. Während beim „Impact First“ in erster Linie auf den sozialen oder ökologischen Nutzen abgezielt wird, ist beim „Finance First“ eine „finanzielle Rendite [im Vordergrund], die jedoch strategisch ausdrücklich mit sozialen oder ökologischen Ertragserwartungen kombiniert ist.“ Dabei sind, laut Studie, die Mehrzahl der Investoren und Intermediäre von den gleichen Motiven angetrieben: die „Lösung drängender gesellschaftlicher oder ökologischer Probleme“ und die „Verwirklichung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen“.

Um die Investitionsanlagen, wie beispielsweise Unternehmen, auf ihre Wirkung bezogen miteinander vergleichen zu können, eignen sich die in Kapitel xxx vorgestellten SDGs ausgezeichnet. Diese 17 Ziele decken das gesamte Gebiet ab und sind global und branchenübergreifend anerkannt. Zur Finanzierung der SDGs tragen die Staaten weltweit zwar pro Jahr etwa 21 Billionen US Dollar bei, trotzdem fehlen jährlich zur Erreichung der Ziele weitere 2,5 Billionen US Dollar private Investitionen.

Investoren haben somit einen großen Einfluss auf Nachhaltigkeit, auch in der Klimadebatte. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung werden sich auch auf die Unternehmen niederschlagen und voraussichtlich deren Märkte stören. Dabei kann es sich beispielsweise um Klimakatastrophen, veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen sowie öffentlichen Druck handeln. Investitionen, die rein auf den Profit abzielen und keinen positiven Impact auf die Umwelt haben, werden durch diese Folgen stärker beeinträchtigt als nachhaltig angelegte Investitionen. Dieser negative Effekt wird die Unternehmen beeinflussen, denn wenn Investoren den Fokus mehr auf Nachhaltigkeit legen und weniger auf den kurzfristigen finanziellen Gewinn, werden die Unternehmen umdenken müssen.

 

Climate change is the single greatest threat that humanity faces.

Businesses that don’t take climate action will be punished by their stakeholders as well as by the planet.

Alan Jope, Chief Executive Officer, Unilever, United Kingdom

 

Der Wandel zu einer nachhaltigeren Entwicklung ist eine globale gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Solange Rohstoffe weiterhin immer günstiger werden, da die Preise primär durch die Förderkosten bestimmt sind, solange Folgekosten der Umweltbelastungen unseres Konsums auf die Allgemeinheit bzw. zukünftige Generationen abgewälzt werden und nicht in den Produktkosten enthalten sind, solange Marktwirtschaft als Verdrängungswettbewerb unterschiedlicher Volkswirtschaften, Bevölkerungsgruppen oder Mikro-Ökosysteme gelebt wird, haben nachhaltige Geschäftsmodelle einen Wettbewerbsnachteil.

 

Wer eine durch Verzicht und Reglementierung dominierte Postwachstumsgesellschaft als wenig erstrebenswert ansieht, setzt auf den sich verstärkenden Wertewandel der Gesellschaft und damit der Verbraucher. Philanthropische Ansätze von Non-Profit Organisationen werden nicht den nötigen Impact entwickeln können. Die Technologien mit einer reichhaltigen Anzahl möglicher Moonshots für die Bewältigung der Herausforderungen des neuen Jahrzehnts stehen zur Verfügung. Das Leben in 2030 wird vom Erfolg profitabler und skalierbarer Geschäftsmodelle geprägt werden, die diese Technologien im Sinne einer nachhaltigeren Entwicklung zum Einsatz bringen.

Glaubwürdigkeit wird zum entscheidenden Attribut von erfolgreichen Unternehmen, womit das Vorgeben eines Wertewandels im Sinne der 17 SDG’s der UN in der Aussendarstellung (‚green oder social washing‘) nicht zielführend ist. Der Wertewandel muss auch firmenintern im Sinne einer nachhaltigen Governance (siehe dazu Environmental Social Governance, kurz ESG) gelebt werden, nicht nur um die qualifiziertesten Mitarbeiter akquirieren und motivieren zu können. Die COVID-19 Pandemie hat uns gezeigt, wozu wir im Angesicht einer globalen Katastrophe in der Lage sind, jedoch auch wie fragil unsere globalen Wertschöpfungsketten sind. Der ‚Green Deal‘ der Europäischen Union bis 2050 CO2-neutral zu wirtschaften, ist die ‚Mondmission‘ der derzeitigen Generation. 2030 hat noch nicht stattgefunden, damit haben wir alle Optionen eine wünschenswerte Zukunft zu gestalten, getreu Emanuel Kant‘s „Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen?“.

m.partners GmbH, 03.05.2021